Steinau Newspaper Articles 1783-1899

Steinau 1889

School’s and teacher Turek’s public approval

Source: Evangelische Kirchen-Zeitung für Österreich, 01.01.1889, p. 13.
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Evangelische Schule.

Unsere Schulchronik hat ein freudiges Ereignis zu verzeichnen. Das hohe k. k. Ministerium für Cultus und Unterricht hat unserem Herrn Lehrer Josef Turek die Lehrbefähigung zuerkannt und zugleich, wessen sich in Galizien nur wenige evangelische Schulen rühmen dürften, unserer Schule das Öffentlichkeitsrecht verliehen. Möge diese Anerkennung unserer Gemeinde ein Anlass zu fortwährendem freudigem Einstehen für die Interessen unserer Schule, unserem Herrn Lehrer aber ein Sporn zu weiterem erfolgreichen Streben in unserer Gemeinde sein.

Steinau 1898

Opening of new church steeple and organ

Source: Evangelische Kirchen-Zeitung für Österreich, 01.11.1898, p. 9-10.
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Turm- und Glockenweihe.

Wenn man von der Eisenbahnstation Rzeszow, einen Wagen benützend, die nach Norden führende und gut gepflegte Landstraße einschlägt, so kommt man nach einer fünfstündigen Fahrt durch einige verwahrloste polnische Dörfer und die vor Schmutz starrende Judenstadt Sokolow in die deutsch-evangelische Kolonie Steinau. Diese wurde im Jahre 1783 gegründet, besteht aus 65 Nummern und hat sich bis heute, trotz des mageren Ackerbodens und ihrer Abgeschiedenheit von anderen Kolonien, rein deutsch und evangelisch erhalten. Mittelpunkt der Kolonie ist das hölzerne, einklassige Schulhaus und die gemauerte Kirche, welche mit ihrem schlanken, weithin sichtbaren Turme in diesem Monat der Gegenstand eines herrlichen Festes war. Am 9. Oktober diesen Jahres fand nämlich die Einweihung des umgebauten Turmes und der neuen Orgel durch den Superintendenten Fritsche statt. Eine Menge Gäste von nah und fern, darunter auch die Senioren Zipser aus Hohenbach und Sliwka aus Jaroslau strömten nach Steinau herbei. Um 9 Uhr traf unser hochverehrter Oberhirte mit unserer Pfarrfamilie aus Ranischau, wo selbst tags vorher Kirchen- und Schulvisitation stattgefunden hatte, in einem vierspännigen, von einer Anzahl berittener Gemeindeglieder begleiteten Wagen ein, wurde bei der am Anfang des Dorfes aufgestellten Ehrenpforte von der versammelten Schuljugend und der Gemeinde ehrerbietigst begrüßt und unter Glockengeläute zur Schule begleitet.

Um 10.30 Uhr begann in der geschmückten Kirche der Festgottesdienst, Nach dem Eingangsliede: “Allein Gott in der Höh'” hielt Superintendent Fritsche in der bekannten zu Herzen dringenden Weise die Weiherede mit dem Grundgedanken : “Das Alte ist vergangen, siehe es ist alles neu geworden” und vollzog nun die Weihe des Turmes und der Orgel. Hierauf ertönte auf der neuen Orgel der 1. Teil aus dem Flöten-Konzert von Rinck und von dem 3-stimmigen Chor der Steinauer Jugend das vom Musiklehrer Hertrich in Bielitz vertonte Lied: “Ich will den Herrn loben”. Aus dem geschichtlichen Teil der erhebenden Festpredigt des Pfarrers Folwartschny konnten die Gäste entnehmen, dass die erste Kirche im Jahre 1796 ans Holz und die gegenwärtige im Jahre 1867 ans Ziegeln unter großen Opfern der Gemeinde erbaut wurde. Damals konnte der Turm wegen Geldmangels nicht ausgebaut werden und hat mittlerweile gefahrdrohende Schäden erlitten. Ebenso war die alte, im Jahre 1802 erbaute Orgel für Gottesdienste gänzlich unbrauchbar geworden, und hat die Gemeinde mit rühmenswerter Opferwilligkeit, indem sie an Arbeit und Material soviel, als möglich war, unentgeltlich leistete, den Turm umgebaut und eine neue Orgel angeschafft, wobei sie einen guten Teil der Hilfe den Gustav-Adolf-Frauenvereinen zu danken hat.

Nach dem Gottesdienste versammelten sich die Festgäste und das Presbyterium im geschmückten Schulzimmer zum Mittagsmahle. Alle sprachen sich lobend über den schönen, schlanken Turm und die kunstvoll gearbeitete Orgel aus. Besonders dankend wurde gedacht der Orgelfirma Rieger in Jägerndorf, welche der Gemeinde ein so vorzügliches Werk geliefert, und des Herrn H. Richter, Mechanikers in Bielitz, der bei Aufstellung des Blitzableiters mehrere wertvolle Apparate, z. B. ein Telefon, der Schule geschenkt hat.

Beim Mittagsmahle wurden zahlreiche Trinksprüche ausgebracht. Ein Glückwunschtelegramm des Pastors Köhler zu Warder in Schleswig-Holstein, der Steinau diesen Sommer besucht hatte und mit dem Telegramm 100 Mark übersandte, ließ uns den Tag aufs fröhlichste beschließen.

Andern Tags wurde nach Besichtigung der Kirche und des Friedhofs in der Schule Prüfung abgehalten, die durch ihr zufriedenstellendes Ergebnis der gewissenhaften Wirksamkeit des Schulleiters Paul Sikora ein günstiges Zeugnis ausstellte.

Nachmittags reiste Superintendent Fritsche, von herzlichen Segenswünschen der Gemeinde begleitet, in die Nachbargemeinde Königsberg zur Visitation ab.

Somit hätten wir ein langersehntes Ziel erreicht, dennoch drückt uns eine Sorge, nämlich die Rückzahlung einer Schuld von über 1600fl.; doch hoffen wir auch diese mit Hilfe des verehrten Gustav-Adolf-Vereines tilgen zu können.