Ranischau Newspaper Articles 1900-1919

Ranischau 1904

Sulichow community property

Source: Evangelisches Gemeindeblatt für Galizien und die Bukowina, Mar 1904, p. 9.
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Sulichower Gemeindevermögen.

Gemäß der oberstkirchenbehördlich genehmigten Beschlüsse des Senioratsausschusses soll der Erlös der verkauften Schulrealität der aufgelösten evangelischen Schulgemeinde in Sulichow im Betrage von 10000 K folgendermaßen verteilt werden: 2000 K erhält die Pfarrgemeinde Ranischau als Ersatz für die bisher von Sulichow geleisteten Pfarrgehaltsbeiträge; 1800 K fließen dem Ranischauer Pfarrdotationsfonds zu; 6000 K sollen zur Vermehrung des Schuldotations- und des Pfarrholzfonds der Gemeinde Ranischau dienen und 200 K sind der Schulgemeinde Steinau zur Erhöhung des ihr mit Zustimmung des Zentralvorstandes in Leipzig zufallenden Sulichower Lehrerdotationsfonds per 4899 K 55 h zuzuweisen.

Ranischau 1904

Gustav-Adolf-Festivities

Source: Evangelisches Gemeindeblatt für Galizien und die Bukowina, May 1904, p. 8.
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Gustav-Adolf-Fest.

Am 24.4. feierte der hiesige nunmehr gesetzlich konstituierte Gustav-Adolf-Ortsverein sein erstes Jahresfest. Vormittags fand ein Festgottesdienst statt und am Abend wurde in der Schule die Vereinsversammlung abgehalten, zu der sich Alt und Jung eingefunden hatte. Pfarrer Harlfinger hielt einen Vortrag über die Bedeutung Gustav Adolfs und des nach ihm benannten Vereins. Der Rest des gelungenen Abends wurde ausgefüllt mit Gesängen, mit der Versteigerung eines Bildes und der Vorführung von Bildern mit einer Laterna magica.

Ranischau 1905

Lecture

Source: Evangelisches Gemeindeblatt für Galizien und die Bukowina, Feb 1905, p. 9.
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Vortrag.

Am Erscheinungsfeste fand hier in der Schule ein Familienabend mit Schulkinderfest statt. Vorträge hielten: Herr Lehrer Schneikart über die Themen: 1. “Die Not der Kirche Christi vom Jahre 1000-1500.” 2. “Der Mann von Gott.” Ferner berichtete Herr Lehramtskandidat Philipp Kopp über das Kinderheim in Stanislau. Zum Schlusse wurden noch Bilder mit Laterna magica gezeigt. Das Reinerträgnis ist für das Kinderheim in Stanislau bestimmt. Leider konnte Herr Pfarrer Harlfinger krankheitshalber an diesem Feste nicht teilnehmen. Zur Pflege des evangelischen Lebens sollen fortgesetzte Vorträge aus der Reformationsgeschichte, verbunden mit Übungen im Kirchengesang jeden Sonntagabend stattfinden.

Ranischau 1905

Big fire

Source: Evangelisches Gemeindeblatt für Galizien und die Bukowina, May 1905, p. 12-13.
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Großes Schadensfeuer.

Am 10. des Monats bei großem Sturm kam in Ranizow (Marktflecken) mittags um 12 Uhr ein Brand zum Ausbruch, der binnen wenigen Stunden gegen 100 Gebäudekomplexe von 32 Grundwirtschaften und außerdem noch 4 Wohnhäuser vollständig einäscherte. Alle vorhanden Lebensmittel, Futtervorräte und Wirtschaftsgerät, sowie auch eine Kuh sind der Vernichtung anheimgefallen. Der Schrecken der Ranischauer war groß, denn der mächtige Sturem wehte in der Richtung nach dem deutschen Dorfe. Nur der Geistesgegenwart und der unermüdlichen Rettungsarbeit der deutschen Kolonisten ist es zu verdanken, dass es denselben gelungen ist, den an die deutsch-evangelische Kolonie sich anschließenden Stadtteil und diese selbst vor dem größten Unglück zu bewahren. Außer der Feuerwehr von Ranizow, waren noch 4 von auswärts (aus Zielonka, Kolbuszowa, Glogow und Sokolow) auf dem Brandplatze erschienen. Der verursachte Schaden ist groß und trifft die Verunglückten, von denen nur einige sehr niedrig, und die anderen gar nicht versichert waren, sehr hart.

Ranischau 1906

Christmas Eve celebration

Source: Evangelisches Gemeindeblatt für Galizien und die Bukowina, Feb 1906, p. 8.
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Christabendfeier.

Heuer wurde der Christabend bei uns in einer Weise gefeiert, wie sie noch lange in angenehmer Erinnerung bleiben wird. Vierstimmige Chorgesänge, zu deren Vortrag unser Pfarrhaus ansehnliche Kräfte stellte, gaben der abendlichen Feier im Verein mit den großen grünen Christbäumen und dem hellen Glanz der Kerzen ein echt evangelisches Gepräge, das noch dadurch gehoben wurde, dass das Weihnachtsevangelium aus dem Munde von Schulkindern, die von Herrn Lehrer Thron gut dazu vorbereitet waren, der zahlreichen Weihnachtsfeststimmung entgegenklang. Besonders allen den Ranischauern, die den größten Teil des Jahres evangelische Umgebung entbehren müssen und die zum Besuch in den Feiertagen hier verweilten, war die wohlgelungene Christabendfeier eine willkommene Aufforderung, ihrer evangelischen Kirche die Treue zu bewahren.

Ranischau 1906

Church assistant

Source: Evangelisches Gemeindeblatt für Galizien und die Bukowina, Mar 1906, p. 8.
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Geistliche Hilfskraft.

Herr Kandidat Engelfried Tilemann aus Norden in Ostfriesland, dem bereits behufs Erlangung des österreichischen Staatsbürgerrechtes die Aufnahme in die politische Gemeinde Ranischau zugesichert worden ist, wurde zum Personalvikar des Herrn Pfarrers Harlfinger berufen.

Ranischau 1906

Train connection

Source: Evangelisches Gemeindeblatt für Galizien und die Bukowina, May 1906, p. 9.
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Eisenbahn.

Unsere Gemeinde hat die angenehme Aussicht, endlich durch eine Eisenbahn dem Weltverkehr näher gerückt zu werden. In der heurigen Session des Abgeordnetenhauses hat Abgeordneter Thomas Szajer und Genossen in Form eines Antrages die Regierung aufgefordert, eine Eisenbahn zu bauen in nördlicher Richtung von Rzeszow über Glogov, Sokolow, Ranizow, Kolbuszowa mit Anschluss an die Abzweigung der Bahnstrecke nach Nadbrzezie. In der Tat, man muss bedenken, was das heißen will, dass durch unseren ganzen politischen Bezirk Kolbuszowa mit seinen vier Städten und zweiundsechzig Ortschaften keine einzige Eisenbahnlinie führt. Welcher Nachteil das auf die Verwertung von Halmfrüchten und Vieh ausübt und wie viel Zeit der Verkehr zwischen zwei Ortschaften kostet, das liegt auf der flachen Hand. Möge die Regierung den Bau der neuen Bahnstrecke nur recht bald in Angriff nehmen!

Ranischau 1906

Gustav-Adolf-Festivities

Source: Evangelisches Gemeindeblatt für Galizien und die Bukowina, Jun 1906, p. 9.
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Am zweiten Sonntag nach Ostern haben wir das Jahresfest unseres Gustav-Adolf-Ortsvereins gefeiert. Bei der Nachfeier erzählte Vikar Tielemann in anschaulicher Weise von seinen “Reisen im Königreich Gustav Adolfs”. Man plant, hier während des Sommers an den Sonntagnachmittagen mehrere solche Gustav-Adolf-Stunden zu halten. Es bleibt ja die erste Sorge einer jeden evangelischen Gemeinde in Galizien, mit dem Gustav-Adolf-Werk immer vertrauter zu werden.

Ranischau 1907

Church administration and Christmas festivities

Source: Evangelisches Gemeindeblatt für Galizien und die Bukowina, Feb 1907, p. 12.
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Nachdem Herr Kandidat Tilemann unsere Gemeinde vor Weihnachten verlassen hat, musste Herr Pfarrer Harlfinger wieder allein die Führung der pfarrämtlichen Geschäfte übernehmen. Ende November vergangen Jahres bereits wurde ihm auch die Administration der Pfarrgemeinde Königsberg übertragen.

Am heiligen Abend fand in unserer mit zwei mächtigen Tannenbäumen geschmückten Kirche eine erhebende Christfeier statt, welche durch Lieder und Vorträge der Schulkinder sowie durch Chorgesänge verschönert wurde. Den Schluss der Feier bildete die Bescherung sämtlicher Schulkinder mit kleinen Weihnachtsgaben und eine Kollekte für das Kinderheim in Stanislau. Durch die Wohltätigkeit einer Dame aus Deutschland war das Pfarramt auch in diesem Jahre wieder instandgesetzt, zum Christfeste die ärmsten Gemeindemitglieder mit schönen warmen Kleidungsstücken zu versehen.

Ranischau 1908

Christmas festivities

Source: Evangelisches Gemeindeblatt für Galizien und die Bukowina, Feb 1908, p. 11.
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Wie bereits seit einer Reihe von Jahren, so fand auch am letztvergangen Christabend in der hiesigen Kirche eine Christabendfeier mit Bescherung statt, welche zwar zunächst für die Schulkinder veranstaltet ward, an der sich aber auch die Erwachsenen vollzählig beteiligten. Nicht nur aus Ranischau selbst, sondern auch aus der Umgebung waren die Leute gekommen, um sich mit ihren Kindern unter strahlenden Christbäumen der Geburt des lieben Christkinds zu freuen. Als gegen 1/2 6 Uhr auch die Schulkinder unter Führung des Herrn Lehrers Pfeiffer ihre Plätze eingenommen hatten, konnte die Feier mit dem Gellert’schen Lieder: “Dies ist der Tag, den Gott gemacht” ihren Anfang nehmen. Nach einem Eingangsgebete verlas Herr Pfarrer Harlfinger einige auf das Kommen des Heilands Bezug habende Weissagungen des Alten Testaments, worauf die Kinder antworteten mit dem Gesange: “Hosiannah, Davids Sohn kommt in Zion eingezogen”. Der Vortrag der Geburtsgeschichte, sowie ausgewählter Wechselgespräche im Wechsel mit passenden Liedern, wobei die Kinder ihr bestes Können aufboten, leitete über zur Ansprache des Herrn Pfarrers, der die Großen und Kleinen ermunterte, der im Heiland erschienenen Liebe die Herzen dankbar zu öffnen, sie zu erwidern und untereinander zu betätigen. Noch einmal brauste es durch die Kirche: “Dies ist der Tag, den Gott gemacht” und dann kam die Bescherung. Sämtliche 42 Schulkinder und die armen Gemeindemitglieder konnten mit Kleidungsstücken, die Herr Pfarrer Harlfinger von edlen Freunden erbeten hatte, mehr oder weniger bedacht werden. Die Schulkinder erhielten außerdem noch Früchte, Backwerk und Bilder oder Bücher. Es war eine Lust zu sehen, wie sie alle einzeln, mit leuchtenden Augen und strahlenden Gesichtern kamen, um die Gaben des Christkinds in Empfang zu nehmen. Da wir aber am heiligen Abend nicht nur empfangen, sondern auch geben wollten, so veranstalteten wir eine verhältnismäßig ertragreiche Kollekte für das Stanislauer Kinderheim. Schon vorher hatten die Schulkinder für denselben Zweck 5 K untereinander gesammelt.

Ranischau 1908

Church statistics and emigration

Source: Evangelisches Gemeindeblatt für Galizien und die Bukowina, Mar 1908, p. 11.
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Volksbewegung u.a.

Im Jahre 1907 wurden im hiesigen Pfarrsprengel 15 Kinder gegen 26 im Jahre 1906 geboren. Gestorben sind 11 (8) Personen. Getraut wurde 1 (2) Paare. Konfirmiert wurden 10 (13) Kinder. Zur evangelischen Kirche übergetreten sind 2 (1) Personen, ausgetreten ist niemand. Der hiesige Pfarrsprengel gehört zu jenen, die andauernd unter der Auswanderung zu leiden haben. Diese hat nun zwar im Jahre 1907 in der Muttergemeinde selbst mit Ausnahme von Einzelpersonen, die in üblicher Weise auf Verdienst nach Amerika gefahren sind, glücklicherweise keine Opfer gefordert; aber die Filialgemeinde Steinau hatte leider neuerdings den Verlust einer ganzen Anzahl von Familien, die teils nach Posen und Preußisch-Schlesien, teils nach Amerika (Texas) zogen, zu beklagen. Tiefe Trauer erfüllt einen, wenn man in die einst so schöne Gemeinde Steinau hineinkommt. Trotzdem dieselbe durch die Auswanderung nicht nur numerisch, sondern auch materiell sehr stark geschwächt ist, musste sie doch im Jahre 1907 ihre Kirche, die gewiss zu den schönsten in unseren Landgemeinden gehört, unter hohen Kosten mit einem neuen Blechdach versehen werden, da das alte Schindeldacht bereits so schadhaft war, dass der Plafond der Kirche durch den eindringenden Regen und Schnee nicht unbedeutend gelitten hatte.

Ranischau 1910

Death of vicar Hodel

Source: Evangelisches Gemeindeblatt für Galizien und die Bukowina, Feb 1910 p. 9.
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Am Neujahrsmorgen, bei anbrechendem Tagesgrauen ist hier Vikar Peter Hodel, gewesener evangelischer Pfarrer, plötzlich einem Herzschlag erlegen. Der Entschlafene entstammte einer deutschen Kolonistenfamilie in Neu-Itzkany (Bukowina), wo er am 22. Oktober 1848 geboren wurde. Seine Studien absolvierte er am Gymnasium zu Suczawa und sodann an den Universitäten in Wien, Tübingen und Leipzig. In einem reichbewegten Leben wurde er weit umhergeführt und hatte eine ganze Reihe von Stellungen inne. So war er Hilfsprediger in Czernowitz, Superintendential-Vikar in Biala, Diakon in Lodz (Russisch-Polen) und Pfarrer in Wyszogrod (Russland), Seminarlehrer in Kropp (Schleswig-Holstein), Religionslehrer in Suczawa, Lehrer an der evangelischen Schule in Badeutz, Pfarrer in Josefow und zuletzt Vikar in Ranischau. Am 1. Februar diesen Jahres hatte er in den zeitlichen Ruhestand treten wollen. Nun aber ist er vom Herrn über Leben und Tod zur ewigen Ruhe abberufen worden.

Der unerwartete Todesfall wirkte erschütternd auf die ganze hiesige Gemeinde. Am 3. Januar veranstaltete die Gemeinde eine Trauerfeier, zu welcher sich auch Vertreter der Gemeinden Steinau, Königsberg und Gillershof einfanden. In der Kirche hielt Pfarrer Kirchschlager aus Hohenbach, der mit seiner Frau Gemahlin herbeigeeilt war, eine zu Herzen gehende Leichenrede, während der Ortspfarrer Harlfinger die Einsegnung vollzog und namens der Gemeinde von dem Verewigten Abschied nahm. Am 4. Januar wurde die Leiche von seinen Brüdern in seine Heimat nach Neu-Itzkany überführt, wo sie am 6. Januar zur letzten Ruhe bestattet wurde. So ruht der Verstorbene in der teuren Heimaterde, nach der er sich so heiß gesehnt hat.