Ranischau Newspaper Articles 1900-1919
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Ranischau 1902
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Vocation of pastor Johann Harlfinger and other news
Source: Evangelische Kirchen-Zeitung für Österreich, 15.11.1902, p. 13.
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Aus der Gemeinde.
Am 9. Oktober 1901 verließ Pfarrer Josef Folwartschny Ranischau. Nach langen Bemühungen erst ist es der Gemeinde gelungen, einen neuen Pfarrer zu erhalten, und zwar den Kandidaten der Theologie Johann Harlfinger aus Dornfeld in Galizien. Derselbe übersiedelte bereits am 20. Februar 1902 nach Ranischau, konnte jedoch erst am 8. Mai laufenden Jahres zum Pfarrer gewählt werden, weil bis dahin die Enthebung des Pfarrers Folwartschny vom Ranischauer Pfarramt noch nicht erfolgt war. Nach seiner am 27. Juli laufenden Jahres in Biala erfolgten Ordination wurde Herr Harlfinger endlich zum Pfarrer von Ranischau bestätigt und vom Senior Zipser am 5. Oktober laufenden Jahres feierlich in sein Amt eingeführt. Schon zuvor hatte er sich in Wien mit Fräulein Marie Schmidt vermählt und seine junge Frau zur Freude der Gemeinden in das schön renovierte Pfarrhaus eingeführt.
Gottes Segen sei mit dem jungen Pfarrer und seiner Gemahlin!
Seine erste Arbeit ist die Durchführung des Kirchbaues in Ranischau. Derselbe wurde diesen Herbst begonnen und soll mit Gottes Hilfe übers Jahr die Kirchweihe gefeiert werden.
Die Filiale Steinau schreitet an die weitere Ausschmückung ihres schönen Kirchleins durch einen Hochaltar.
Auch die zu Ranischau gehörige Kolonie Sulichow hat ihr Kirchlein bereits beendigt und soll dessen Weihe am 9. November erfolgen.
Außerdem wäre noch zu bemerken, dass Pastor Kähler aus Kiel-Gaarden in Schleswig-Holstein im Auftrage des dortigen Hauptvereines Galizien und Bukowina im August diesen Jahres bereits zum zweiten Male bereist hat. Er hat obige drei Kolonien gründlich besichtigt und hat sich über die Glaubenstreue und den deutschen Geist der Kolonisten herzlich gefreut.
Sulichow 1902
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Church consecration
Source: Evangelische Kirchen-Zeitung für Österreich, 15.12.1902, p. 12.
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Kirchweihe.
Bei prächtigem Herbstwetter durfte am Sonntag, den 9. November laufenden Jahres, die aus 12 Familien bestehende Schulgemeinde Sulichow unter Beteiligung seitens der Evangelischen aus den Nachbarkolonien das Fest ihrer Kirchweihe feiern. Senior Zipser, der in Stellvertretung des Superintendenten Fritsche die Weihe vollzog, knüpfte seine kräftig gehaltene Weihrede an die Worte Palms 118, 24, worauf Pfarrer Harlfinger aus Ranischau eine gediegene Predigt über Psalm. 26, 6-8 hielt. Das Erstehen dieses kleinen, bescheidenen Kirchleins, welches zum größten Teil mit Hilfe der Gustav-Adolf-Vereine zu seiner Vollendung kam, ist ein gutes Zeugnis für die wackere Gemeinde, die wohl klein an Kraft ist, aber einen hohen Mut hat. Bemerkenswert ist, dass nebst den umliegenden deutschen Kolonien und außer der dort zuständigen katholischen Gutsherrschaft auch einige polnisch-katholische Nachbargemeinden der evangelischen Gemeinde Sulichow für ihren Kirchbau reichliche Gaben in Geld und Bauholz brachten. Ebenso spendete ein Glaubensbruder aus Straßburg im Elsass zum Zweck dieses Kirchbaus 400 Kronen. Möge der Herr auf dieser kleinen Gemeinde und auf deren Werk seinen Segen ruhen lassen!
Ranischau 1903
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Completion of the new church
Source: Evangelische Kirchen-Zeitung für Österreich, 01.10.1903, p. 13.
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Kirchweihe.
Die neue evangelische Kirche in Ranischau ist im Bau bereits vollendet. Die innere Einrichtung wird in Kürze fertig gestellt sein. Die Einweihung der Kirche soll am 1. November stattfinden und wird voraussichtlich von Superintendent Fritsche in Biala vollzogen werden.
Ranischau 1903
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Church consecration
Source: Evangelische Kirchen-Zeitung für Österreich, 01.12.1903, p. 14-15.
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Einweihung der neuen Kirche.
In jüngster Zeit, da infolge der Auswanderungsbewegung nach Posen das Interesse für die galizische Landeskirche ein regeres geworden ist, hat man derselben nur allzu schnell und gern den bevorstehenden Untergang geweissagt. Mögen durch die Auswanderung manche fühlbare Lücken gerissen worden sein, unsere Landeskirche fühlt sich noch stark genug und der Geist evangelischen Glaubens und der Zugehörigkeit der “Schwaben” zum deutschen Volkstum wirkt noch lebendig genug, als dass die Mehrzahl der Gemeinden sich selbst aufzugeben genötigt wären. Dazu sind wohl die Ranischauer Gemeindeglieder ermuntert worden durch das so schön verlaufene Fest der Einweihung ihrer neuen Kirche, welche am 1. November unter zahlreicher Beteiligung von nah und fern stattfand. Vor der Kirche versammelte sich die Schar der Andächtigen, um nach einem Loblied, nach Übergabe des Schlüssels durch den Kurator und nach einer begeisternden Ansprache des Ortspfarrers Johann Harlfinger durch die von demselben im Namen des Allmächtigen geöffnete Pforte in das neue Gotteshaus hineinzuströmen. In beredten und herzerhebenden Worten setzte hierauf der Weihende, Senior Zipser aus Hohenbach, der Festgemeinde aufgrund 1. Mos. 28, 17 auseinander, was das Gotteshaus der Gemeinde ist und sein soll, nämlich eine Stätte des Lichtes und der Erbauung, eine Schutzwehr wider das Böse und eine Wohnung des Friedens, und weihte hierauf die Kirche ihrem heiligenden Zwecke. Nach der durch Pfarrer Friedrich Täuber aus Stadlo gesungenen Altarliturgie und dem Lutherliede bestieg Festprediger Arnold Kotschy aus Bandrow die Kanzel, um in Anschluss an 1. Joh. 3, 1 den Doppelfesttag zu verherrlichen, wie die feiernden Gemeindeglieder nun dankbar erkennen müssen, welche Liebe ihnen der Vater erwiesen, und wie sie nun danach streben sollten, Gottes Kinder zu heißen und zu sein. Mit dem vom Ortspfarrer erteilten Segen schloß die so würdig und schön verlaufene Feier, zu deren Hebung auch Lehrer Schneikart durch Aufführung des Chorliedes “Danket dem Herrn, denn er ist freundlich” wesentlich beigetragen hatte. Im gastfreien Pfarrhause, in welchem nachmittags die durch Pfarrer Täuber vorgenommene Taufe des Erstgeborenen, eines Mädchens, gefeiert wurde, vereinigten sich die Pfarrer zu gemütlichem, leider so selten möglichen, Beisammensein.
Möge das schlichte, schmucke Kirchlein, zu dessen Vollendung Pfarrer und Gemeinde so kräftig und liebevoll wirkten, der Gemeinde recht lange ein Sammelpunkt sein und ihr auch in dieser kritischen Zeit zur Mahnung dienen, treu zum Gotteshaus und zur Scholle zu halten nach dem Worte des Dichters:
“Deutsche Scholle, deutsche Erd’,
Eignes Heim und eigner Herd,
Ob dir Glück, ob Leid beschert:
Halt in Treu’ sie lieb und wert!”
Ranischau 1904
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Sulichow community property
Source: Evangelisches Gemeindeblatt für Galizien und die Bukowina, Mar 1904, p. 9.
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Sulichower Gemeindevermögen.
Gemäß der oberstkirchenbehördlich genehmigten Beschlüsse des Senioratsausschusses soll der Erlös der verkauften Schulrealität der aufgelösten evangelischen Schulgemeinde in Sulichow im Betrag von 10000 Kronen folgendermaßen verteilt werden: 2000 Kronen erhält die Pfarrgemeinde Ranischau als Ersatz für die bisher von Sulichow geleisteten Pfarrgehaltsbeiträge; 1800 Kronen fließen dem Ranischauer Pfarrdotationsfonds zu; 6000 Kronen sollen zur Vermehrung des Schuldotations- und des Pfarrholzfonds der Gemeinde Ranischau dienen und 200 Kronen sind der Schulgemeinde Steinau zur Erhöhung des ihr mit Zustimmung des Zentralvorstandes in Leipzig zufallenden Sulichower Lehrerdotationsfonds per 4899 K 55 h zuzuweisen.
Ranischau 1904
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Gustav-Adolf-Festivities
Source: Evangelisches Gemeindeblatt für Galizien und die Bukowina, May 1904, p. 8.
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Gustav-Adolf-Fest.
Am 24.4. feierte der hiesige nunmehr gesetzlich konstituierte Gustav-Adolf-Ortsverein sein erstes Jahresfest. Vormittags fand ein Festgottesdienst statt und am Abend wurde in der Schule die Vereinsversammlung abgehalten, zu der sich Alt und Jung eingefunden hatte. Pfarrer Harlfinger hielt einen Vortrag über die Bedeutung Gustav Adolfs und des nach ihm benannten Vereins. Der Rest des gelungenen Abends wurde ausgefüllt mit Gesängen, mit der Versteigerung eines Bildes und der Vorführung von Bildern mit einer Laterna magica.
Ranischau 1905
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Lecture
Source: Evangelisches Gemeindeblatt für Galizien und die Bukowina, Feb 1905, p. 9.
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Vortrag.
Am Erscheinungsfeste fand hier in der Schule ein Familienabend mit Schulkinderfest statt. Vorträge hielten: Herr Lehrer Schneikart über die Themen: 1. “Die Not der Kirche Christi vom Jahre 1000-1500.” 2. “Der Mann von Gott.” Ferner berichtete Herr Lehramtskandidat Philipp Kopp über das Kinderheim in Stanislau. Zum Schlusse wurden noch Bilder mit Laterna magica gezeigt. Das Reinerträgnis ist für das Kinderheim in Stanislau bestimmt. Leider konnte Herr Pfarrer Harlfinger krankheitshalber an diesem Feste nicht teilnehmen. Zur Pflege des evangelischen Lebens sollen fortgesetzte Vorträge aus der Reformationsgeschichte, verbunden mit Übungen im Kirchengesang jeden Sonntagabend stattfinden.
Ranischau 1905
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Big fire
Source: Evangelisches Gemeindeblatt für Galizien und die Bukowina, May 1905, p. 12-13.
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Großes Schadensfeuer.
Am 10. des Monats bei großem Sturm kam in Ranizow (Marktflecken) mittags um 12 Uhr ein Brand zum Ausbruch, der binnen wenigen Stunden gegen 100 Gebäudekomplexe von 32 Grundwirtschaften und außerdem noch 4 Wohnhäuser vollständig einäscherte. Alle vorhanden Lebensmittel, Futtervorräte und Wirtschaftsgerät, sowie auch eine Kuh sind der Vernichtung anheimgefallen. Der Schrecken der Ranischauer war groß, denn der mächtige Sturem wehte in der Richtung nach dem deutschen Dorfe. Nur der Geistesgegenwart und der unermüdlichen Rettungsarbeit der deutschen Kolonisten ist es zu verdanken, dass es denselben gelungen ist, den an die deutsch-evangelische Kolonie sich anschließenden Stadtteil und diese selbst vor dem größten Unglück zu bewahren. Außer der Feuerwehr von Ranizow, waren noch 4 von auswärts (aus Zielonka, Kolbuszowa, Glogow und Sokolow) auf dem Brandplatze erschienen. Der verursachte Schaden ist groß und trifft die Verunglückten, von denen nur einige sehr niedrig, und die anderen gar nicht versichert waren, sehr hart.
Ranischau 1906
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Christmas Eve celebration
Source: Evangelisches Gemeindeblatt für Galizien und die Bukowina, Feb 1906, p. 8.
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Christabendfeier.
Heuer wurde der Christabend bei uns in einer Weise gefeiert, wie sie noch lange in angenehmer Erinnerung bleiben wird. Vierstimmige Chorgesänge, zu deren Vortrag unser Pfarrhaus ansehnliche Kräfte stellte, gaben der abendlichen Feier im Verein mit den großen grünen Christbäumen und dem hellen Glanz der Kerzen ein echt evangelisches Gepräge, das noch dadurch gehoben wurde, dass das Weihnachtsevangelium aus dem Munde von Schulkindern, die von Herrn Lehrer Thron gut dazu vorbereitet waren, der zahlreichen Weihnachtsfeststimmung entgegenklang. Besonders allen den Ranischauern, die den größten Teil des Jahres evangelische Umgebung entbehren müssen und die zum Besuch in den Feiertagen hier verweilten, war die wohlgelungene Christabendfeier eine willkommene Aufforderung, ihrer evangelischen Kirche die Treue zu bewahren.
Ranischau 1906
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Vocation of vicar Engelfried Tilemann
Source: Evangelisches Gemeindeblatt für Galizien und die Bukowina, Mar 1906, p. 8.
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Geistliche Hilfskraft.
Herr Kandidat Engelfried Tilemann aus Norden in Ostfriesland, dem bereits behufs Erlangung des österreichischen Staatsbürgerrechtes die Aufnahme in die politische Gemeinde Ranischau zugesichert worden ist, wurde zum Personalvikar des Herrn Pfarrers Harlfinger berufen.
Ranischau 1906
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Vocation of vicar Engelfried Tilemann
Source: Evangelische Kirchen-Zeitung für Österreich, 01.04.1906, p. 10.
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Personalvikar.
Kandidat Tilemann aus Ostfriesland, der bisher aushilfsweise in Zaleszczyki und Czernowitz tätig war, ist als Personalvikar des erkrankten Pfarrers Hargesheimer nach Ranischau berufen worden.
Ranischau 1906
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Train connection
Source: Evangelisches Gemeindeblatt für Galizien und die Bukowina, May 1906, p. 9.
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Eisenbahn.
Unsere Gemeinde hat die angenehme Aussicht, endlich durch eine Eisenbahn dem Weltverkehr näher gerückt zu werden. In der heurigen Session des Abgeordnetenhauses hat Abgeordneter Thomas Szajer und Genossen in Form eines Antrages die Regierung aufgefordert, eine Eisenbahn zu bauen in nördlicher Richtung von Rzeszow über Glogov, Sokolow, Ranizow, Kolbuszowa mit Anschluss an die Abzweigung der Bahnstrecke nach Nadbrzezie. In der Tat, man muss bedenken, was das heißen will, dass durch unseren ganzen politischen Bezirk Kolbuszowa mit seinen vier Städten und zweiundsechzig Ortschaften keine einzige Eisenbahnlinie führt. Welcher Nachteil das auf die Verwertung von Halmfrüchten und Vieh ausübt und wie viel Zeit der Verkehr zwischen zwei Ortschaften kostet, das liegt auf der flachen Hand. Möge die Regierung den Bau der neuen Bahnstrecke nur recht bald in Angriff nehmen!
Ranischau 1906
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Gustav-Adolf-Festivities
Source: Evangelisches Gemeindeblatt für Galizien und die Bukowina, Jun 1906, p. 9.
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Am zweiten Sonntag nach Ostern haben wir das Jahresfest unseres Gustav-Adolf-Ortsvereins gefeiert. Bei der Nachfeier erzählte Vikar Tielemann in anschaulicher Weise von seinen “Reisen im Königreich Gustav Adolfs”. Man plant, hier während des Sommers an den Sonntagnachmittagen mehrere solche Gustav-Adolf-Stunden zu halten. Es bleibt ja die erste Sorge einer jeden evangelischen Gemeinde in Galizien, mit dem Gustav-Adolf-Werk immer vertrauter zu werden.
Ranischau 1907
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Church administration and Christmas festivities
Source: Evangelisches Gemeindeblatt für Galizien und die Bukowina, Feb 1907, p. 12.
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Nachdem Herr Kandidat Tilemann unsere Gemeinde vor Weihnachten verlassen hat, musste Herr Pfarrer Harlfinger wieder allein die Führung der pfarrämtlichen Geschäfte übernehmen. Ende November vergangen Jahres bereits wurde ihm auch die Administration der Pfarrgemeinde Königsberg übertragen.
Am heiligen Abend fand in unserer mit zwei mächtigen Tannenbäumen geschmückten Kirche eine erhebende Christfeier statt, welche durch Lieder und Vorträge der Schulkinder sowie durch Chorgesänge verschönert wurde. Den Schluss der Feier bildete die Bescherung sämtlicher Schulkinder mit kleinen Weihnachtsgaben und eine Kollekte für das Kinderheim in Stanislau. Durch die Wohltätigkeit einer Dame aus Deutschland war das Pfarramt auch in diesem Jahre wieder instandgesetzt, zum Christfeste die ärmsten Gemeindemitglieder mit schönen warmen Kleidungsstücken zu versehen.
Ranischau 1907
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Negative effects of emigration
Source: Deutsches Volksblatt für Galizien, 12.10.1907, p. 8.
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Von der Auswanderungspest.
Aus Ranischau (Post Ranizow) wird uns geschrieben: Vor einigen Tagen besuchte ich die Gemeinden Steinau, Königsberg und Gillershof; es ist ein wahrer Jammer, jetzt diese noch vor einigen Jahren blühenden deutschen Gemeinden zu besuchen; so hat Steinau vor fünf Jahren noch eine Gemeinde mit 70 deutschen Grundwirschaften, einer neuen gemauerten Kirche und deutschen Schule, heute nur mehr 13 deutsche Familien; in Königsberg sind deren noch 14; in Gillershof noch 7 und in Ranischau steht es nicht viel besser, während die Gemeinden Sulichow und Baranowka (Hirschberg) vor einigen Jahren bereits aufgelöst wurden. Der ganze Ranischauer Pfarrsprengel, der noch vor sieben Jahren aus den sechs genannten, damals rein deutschen Gemeinden bestanden hat, droht zu verschwinden. Ja, hätte eine durchgreifende Organisation der Deutschen in Galizien vor 10 Jahren stattgefunden, so wäre uns gewiss viel erhalten geblieben. Gewissenlose Auswanderungsagenten haben unsere Stammesbrüder größtenteils nach Kanada gelockt, wo sie den Engländern das Land urbar machen müssen und schließlich gehen sie dort auch dem Deutschtum verloren. Besser als hier auf des Vaters Erbe geht es aber selten einem, vielmehr sind viele um Alles gekommen, was sie besessen haben. Was ist nun jetzt zu machen? In den noch bestehenden deutschen Gemeinden Schule und Kirche zu erhalten, ist mit viel zu großen Geldopfern verbunden, und die zurückgebliebenen Deutschen der Entdeutschung preiszugeben, darf auf keinen Fall stattfinden. Das Klügste wäre demnach, die vier Gemeinden einigen sich, wählen eine oder zwei von den Gemeinden, die sie am liebsten halten wollen und dorthin siedeln sich dann die anderen an; eventuell könnten mit den ansässigen Polen oder Ruthenen Tauschverträge abgeschlossen werden. Auf diese Weise würden zwei oder drei Gemeinden aufgelassen, dafür aber eine oder zwei lebensfähige Gemeinden geschaffen werden. Diese Aktion muss sobald als möglich eingeleitet werden, mit einigem gutem Willen geht alles, umsomehr, da es zum Wohle aller geschehen kann.
Ranischau 1908
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Christmas festivities
Source: Evangelisches Gemeindeblatt für Galizien und die Bukowina, Feb 1908, p. 11.
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Wie bereits seit einer Reihe von Jahren, so fand auch am letztvergangen Christabend in der hiesigen Kirche eine Christabendfeier mit Bescherung statt, welche zwar zunächst für die Schulkinder veranstaltet ward, an der sich aber auch die Erwachsenen vollzählig beteiligten. Nicht nur aus Ranischau selbst, sondern auch aus der Umgebung waren die Leute gekommen, um sich mit ihren Kindern unter strahlenden Christbäumen der Geburt des lieben Christkinds zu freuen. Als gegen 1/2 6 Uhr auch die Schulkinder unter Führung des Herrn Lehrers Pfeiffer ihre Plätze eingenommen hatten, konnte die Feier mit dem Gellert’schen Lieder: “Dies ist der Tag, den Gott gemacht” ihren Anfang nehmen. Nach einem Eingangsgebete verlas Herr Pfarrer Harlfinger einige auf das Kommen des Heilands Bezug habende Weissagungen des Alten Testaments, worauf die Kinder antworteten mit dem Gesange: “Hosiannah, Davids Sohn kommt in Zion eingezogen”. Der Vortrag der Geburtsgeschichte, sowie ausgewählter Wechselgespräche im Wechsel mit passenden Liedern, wobei die Kinder ihr bestes Können aufboten, leitete über zur Ansprache des Herrn Pfarrers, der die Großen und Kleinen ermunterte, der im Heiland erschienenen Liebe die Herzen dankbar zu öffnen, sie zu erwidern und untereinander zu betätigen. Noch einmal brauste es durch die Kirche: “Dies ist der Tag, den Gott gemacht” und dann kam die Bescherung. Sämtliche 42 Schulkinder und die armen Gemeindemitglieder konnten mit Kleidungsstücken, die Herr Pfarrer Harlfinger von edlen Freunden erbeten hatte, mehr oder weniger bedacht werden. Die Schulkinder erhielten außerdem noch Früchte, Backwerk und Bilder oder Bücher. Es war eine Lust zu sehen, wie sie alle einzeln, mit leuchtenden Augen und strahlenden Gesichtern kamen, um die Gaben des Christkinds in Empfang zu nehmen. Da wir aber am heiligen Abend nicht nur empfangen, sondern auch geben wollten, so veranstalteten wir eine verhältnismäßig ertragreiche Kollekte für das Stanislauer Kinderheim. Schon vorher hatten die Schulkinder für denselben Zweck 5 Kronen untereinander gesammelt.
Ranischau 1908
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Church statistics and emigration
Source: Evangelisches Gemeindeblatt für Galizien und die Bukowina, Mar 1908, p. 11.
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Volksbewegung u.a.
Im Jahre 1907 wurden im hiesigen Pfarrsprengel 15 Kinder gegen 26 im Jahre 1906 geboren. Gestorben sind 11 (8) Personen. Getraut wurde 1 (2) Paare. Konfirmiert wurden 10 (13) Kinder. Zur evangelischen Kirche übergetreten sind 2 (1) Personen, ausgetreten ist niemand. Der hiesige Pfarrsprengel gehört zu jenen, die andauernd unter der Auswanderung zu leiden haben. Diese hat nun zwar im Jahr 1907 in der Muttergemeinde selbst mit Ausnahme von Einzelpersonen, die in üblicher Weise auf Verdienst nach Amerika gefahren sind, glücklicherweise keine Opfer gefordert; aber die Filialgemeinde Steinau hatte leider neuerdings den Verlust einer ganzen Anzahl von Familien, die teils nach Posen und Preußisch-Schlesien, teils nach Amerika (Texas) zogen, zu beklagen. Tiefe Trauer erfüllt einen, wenn man in die einst so schöne Gemeinde Steinau hineinkommt. Trotzdem dieselbe durch die Auswanderung nicht nur numerisch, sondern auch materiell sehr stark geschwächt ist, musste sie doch im Jahre 1907 ihre Kirche, die gewiss zu den schönsten in unseren Landgemeinden gehört, unter hohen Kosten mit einem neuen Blechdach versehen werden, da das alte Schindeldacht bereits so schadhaft war, dass der Plafond der Kirche durch den eindringenden Regen und Schnee nicht unbedeutend gelitten hatte.
Ranischau 1908
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Negative effects of emigration
Source: Deutsches Volksblatt für Galizien, 11.09.1908, p. 6.
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Zur Auswanderungsbewegung wird uns von dort geschrieben:
„Die Auswanderung hat im Jahr 1902 im hiesigen Pfarrsprengel kräftiger eingesetzt und bisher so viel Schaden angerichtet, dass bereits das hiesige Pfarramt in seinem Bestand bedroht erscheint. Von fast 900 ist die Seelenzahl der Gemeinde auf 400 gesunken. Im Jahr 1902 war Steinau die stärkste Gemeinde im Pfarrsprengel. Sie zählte im Ort etwa 65 Familien und außerdem einige in der Umgebung, Von 1902-1904 ist gut die Hälfte nach Posen und Amerika gewandert. 1905 und 1906 war Ruhe und die Gemeinde hätte sich bei einem Stand von 34 Familien noch ganz gut halten können. Aber im letzten Frühjahr 1907 ging der Rummel wieder von Neuem los; heute sind in Steinau nur noch 113 Deutsche neben 400 Polen. Der Grund lag darin, dass sich die Steinauer inmitten der Polen nicht wohlfühlen konnten. Früher war die Gemeinde rein deutsch, nun aber sollten sie den „Weißkitteln”, wie sie sagten, auf Schritt und Tritt begegnen, neben ihnen wohnen, mit ihnen leben. Das war ihnen zu ungemütlich, zumal die Polen, da sie schon in der Mehrheit waren, in absehbarer Zeit auch die Verwaltung der Gemeinde in die Hände bekommen mussten. Dazu kamen manche gute Nachrichten und Lockbriefe von den früher Ausgewanderten. Der stärkste Antrieb zum Fortschreiten der Auswanderung war aber die enorme Preissteigerung der Steinauer Wirtschaften. Da die Gemeinde einen eigenen Wald hat, zahlt man für eine Wirtschaft von 15 Joch 25.000 Kronen und darüber, trotzdem das Feld durchaus nicht gut ist. Das viele Geld verlockt die Leute, und es ist auch gar nicht zu verwundern, weil sie sich für den Erlös, den sie hier erzielen, anderswo bessere und schönere Wirtschaften ankaufen können. Auf diese Weise kam es, dass Ende 1907 in Steinau nur mehr 13 Grundwirte und 2 Häusler waren. Nun sollen aber, wie ich hörte, wieder 2 Grundwirte verkauft haben. Die Gemeinde Sulichow ist 1904 auf einmal nach Deutschland gezogen. In Ranischau waren im Jahr 1902 30 deutsche Familien. Davon sind allmählich 8 Familien ausgewandert, so dass noch 14 Grundwirte und 8 Häusler blieben. Nun aber haben plötzlich 3 der „größten” Grundwirte verkauft, andere stehen in Verhandlungen, ja so ziemlich die ganze Gesellschaft ist vom Auswanderungsfieber angesteckt. Der Grund liegt auch sicher darin, dass die Leute sich unter der Überzahl der Polen nicht mehr wohlfühlen und dass die Preise des minderwertigen Bodens stark in die Höhe gegangen sind. Man zahlt hier jetzt 1100 bis 1400 Kronen für das Joch! Dabei sind die Polen in ihrem „niemcow trzeba wypchac” einig und tun, was sie können. Auch der Ranizower polnische Pfarrer scheint dahinter zu. stecken und streckt seine Fühler auch bereits nach dem evangelischen Kirchenvermögen aus. Trotzdem gestern einige Männer nach Preußisch-Schlesien und Posen gefahren sind, um Kaufgelegenheiten zu suchen, ist es doch möglich, dass fürs Erste weitere Verkäufe nicht zustande kommen. Aber jedenfalls scheint mir auch Ranischau keine Zukunft zu haben. Die Gemeinde liegt ja ganz vereinzelt. Nach Steinau sind es 20, nach Königsberg, welches noch 14 deutsche Grundwirte mit etwas über 100 Seelen zählt, 25 Kilometer. Die Leute haben also keinen Anschluss, keine Anlehnung. So lange es ging, riet ich von der Auswanderung ab, hat aber nie etwas geholfen. In letzter Zeit habe ich den Steinauern geraten, sich in die Bukowina zu wenden. Es hat aber keiner den Mut, als erster dorthin zu gehen. So sind denn die Verhältnisse recht unerquicklich und es wird auch mir nichts anderes übrig bleiben, als mich anderweitig umzusehen.”
Ergänzend zu diesem Brief sei noch Folgendes hinzugefügt: Die Ranischauer deutsch-evangelische Pfarre bestand im Jahr 1902 außer den im Briefe genannten deutschen Orten noch aus den deutschen Siedlungen Hirschbach (Baranowka) und Gillershof bei Lezajsk. Hirschbach hat dasselbe Schicksal wie Sulichow erfahren, während in Gillershof nur noch sieben deutsche Familien (rund 60 Seelen) sind. Gillershof zählte im Jahr 1900 über 280 deutsche Einwohner und war eine der schönsten deutschen Siedlungen in Galizien. Der Statthalter nannte seinerzeit Gillershof seine „Perle” und heute? Aus einem schmucken deutschen Bauernhof machten die Polen 2-5 Teile; jeder baute auf seinem Teil seine hüttenartigen niederen Wohn- und Wirtschaftsgebäude auf und bald wird die ehemalige „Perle” in ein polnisches Dorf umgewandelt sein. Als die Gemeinden noch vollzählig waren, hatte jede Gemeinde ihre deutsche Schule und auch ein kleines Kirchlein; eine Auswanderung war damals nicht notwendig. Jetzt wäre zu wünschen, daß sich die hiergebliebenen Reste der Deutschen in einer oder zwei Gemeinden: Ranischau, Königsberg oder Steinau sammeln und so wieder rein deutsch und stark machen.
Ranischau 1910
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Death of vicar Peter Hodel
Source: Evangelisches Gemeindeblatt für Galizien und die Bukowina, Feb 1910 p. 9.
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Am Neujahrsmorgen, bei anbrechendem Tagesgrauen ist hier Vikar Peter Hodel, gewesener evangelischer Pfarrer, plötzlich einem Herzschlag erlegen. Der Entschlafene entstammte einer deutschen Kolonistenfamilie in Neu-Itzkany (Bukowina), wo er am 22. Oktober 1848 geboren wurde. Seine Studien absolvierte er am Gymnasium zu Suczawa und sodann an den Universitäten in Wien, Tübingen und Leipzig. In einem reichbewegten Leben wurde er weit umhergeführt und hatte eine ganze Reihe von Stellungen inne. So war er Hilfsprediger in Czernowitz, Superintendential-Vikar in Biala, Diakon in Lodz (Russisch-Polen) und Pfarrer in Wyszogrod (Russland), Seminarlehrer in Kropp (Schleswig-Holstein), Religionslehrer in Suczawa, Lehrer an der evangelischen Schule in Badeutz, Pfarrer in Josefow und zuletzt Vikar in Ranischau. Am 1. Februar diesen Jahres hatte er in den zeitlichen Ruhestand treten wollen. Nun aber ist er vom Herrn über Leben und Tod zur ewigen Ruhe abberufen worden.
Der unerwartete Todesfall wirkte erschütternd auf die ganze hiesige Gemeinde. Am 3. Januar veranstaltete die Gemeinde eine Trauerfeier, zu welcher sich auch Vertreter der Gemeinden Steinau, Königsberg und Gillershof einfanden. In der Kirche hielt Pfarrer Kirchschlager aus Hohenbach, der mit seiner Frau Gemahlin herbeigeeilt war, eine zu Herzen gehende Leichenrede, während der Ortspfarrer Harlfinger die Einsegnung vollzog und namens der Gemeinde von dem Verewigten Abschied nahm. Am 4. Januar wurde die Leiche von seinen Brüdern in seine Heimat nach Neu-Itzkany überführt, wo sie am 6. Januar zur letzten Ruhe bestattet wurde. So ruht der Verstorbene in der teuren Heimaterde, nach der er sich so heiß gesehnt hat.
Ranischau 1910
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Death of vicar Peter Hodel
Source: Evangelische Kirchen-Zeitung für Österreich, 15.02.1910 p. 12.
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Todesfall.
Am Neujahrsmorgen, bei anbrechendem Tage, ist hier Vikar Peter HodeI, gewesener evangelischer Pfarrer, plötzlich einem Herzschlage erlegen. Der Entschlafene entstammte einer deutschen Kolonistenfamilie in Neu-Itzkani (Bukowina), wo er am 22. Oktober 1848 geboren wurde. Seine Studien absolvierte er am Gymnasium zu Suczawa und sodann an den Universitäten in Wien, Tübingen und Leipzig. In seinem reichbewegten Leben wurde er weit umhergeführt und hatte eine ganze Reihe von Stellungen inne. So war er nacheinander Hilfsprediger in Czernowitz, Superintendentialvikar in Biala, Diakon in Lodz und Pfarrer in Wyszogrod (Russland), Seminarlehrer in Kropp (Schleswig-Holstein), Religionslehrer in Suczawa, Lehrer an der evangelischen Schule in Badeutz, Pfarrer in Josefow und zuletzt Vikar in Ranischau. Am 1. Februar diesen Jahres hatte er in den zeitlichen Ruhestand treten wollen. Nun ist er zuvor vom Herrn über Leben und Tod zur ewigen Ruhe abberufen worden.
Am 3. Januar veranstaltete die Gemeinde eine Trauerfeier, zu der sich auch Vertreter der Gemeinden Steinau, Königsberg und Gillershof eingefunden hatten. In der Kirche hielt Pfarrer Kirchschlager aus Hohenbach, der mit seiner Frau Gemahlin herbeigeeilt war, eine packende Leichenrede, während der Ortspfarrer die Einsegnung vollzog und namens der Gemeinde von dem Verewigten Abschied nahm. Am 4. Januar wurde letzterer von seinen Brüdern in seine Heimat nach Neu-Itzkany überführt, wo er am 6. Januar zur letzten Ruhe bestattet wurde. So ruht er nach vielem Umherirren in der teuren Heimatserde, nach der er sich zuletzt so heiß gesehnt hat.
Ranischau 1911
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Report on the general assembly of the local Bund group
Source: Deutsches Volksblatt für Galizien, 12.05.1911, p. 3.
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Am 19. Februar laufenden Jahres fand im Schulsaal der evangelischen Schule die diesjährige Vollversammlung der hiesigen Ortsgruppe statt. Auf der Tagesordnung standen folgende Punkte:
1. Rechenschaftsbericht über das verflossene Vereinsjahr und Prüfung der Jahresrechnung.
2. Wahl des Ausschusses.
3. Allfälliges.
Herr Obmann Matthias Kurz eröffnete die Versammlung, worauf Herr Pfarrer Harlfinger in einer längeren Rede zum Ausdruck brachte, dass das deutsche Volk immer ein Volk gewesen sei, das die Freiheit als ein höchstes Gut schätzte und liebte, dass es zu allen Zeiten immer mächtig um dies hohe Gut gekämpft habe, sobald seine Feinde es unterjochen wollten und wies sodann auf unser deutsches Volk in Galizien und insbesondere auf unsere wenigen Deutschen in Ranischau und Umgebung hin und betonte die unbedingte Notwendigkeit eines ernsten und ordentlichen Zusammenschlusses im eigenen Interesse und zum Nutzen der deutschen Sache in Galizien.
In den Ausschuss wurden folgende Herren gewählt: Matthias Kurz (Obmann), Valentin Wagner (Obmannstellvertreter), Philipp Kraushaar (Säckelwart), Pfarrer Johann Harlfinger, Andreas Kleiss und Jakob Vetter (Schriftwart).
Zum Schluss wurden noch einige Bundeskarten verkauft. Möge die erneuerte Ortsgruppe wachsen und gedeihen zum Wohle der Gemeinde und zur Ehre des Deutschtums in Galizien.
Ranischau 1912
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School Association Festival
Source: Deutsches Volksblatt für Galizien, 19.07.1912, p. 4.
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Schulschluss und Schulvereinsfeier.
Am 29. Juni fand in hiesiger Gemeinde der Schulschluss, verbunden mit der Schulvereinsfeier statt. Nach dem Scharlied „Stimmt an mit hellem hohen Klang” hielt der Ortslehrer eine Ansprache an die Schüler und anwesenden Gemeindeglieder, in welcher er die hohen Verdienste des Deutschen Schulvereins um die deutschen Schulen Galiziens und anderer Kronländer Österreichs hervorhob. Hierauf wurden von den Schülern folgende Lieder mit Harmonium und Geigenbegleitung gesungen, die mit passenden Deklamationen wechselten: „Wenn ich den Wandrer frage”, „Ich Hab mich ergeben”, „Deutsche Treue”, „Frei und unerschütterlich”, „Des Deutschen Wunsch” und das Kaiserlied. Die Sammlung für den Deutschen Schulverein ergab 3 Kronen.
Ranischau 1913
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Entertainment evening of the local Bund group
Source: Deutsches Volksblatt für Galizien, 07.03.1913, p. 4.
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Am 4. Februar fand hier ein Unterhaltungsabend statt, veranstaltet von der hiesigen Ortsgruppe, Um 7 Uhr abends hatten sich sämtliche Deutsche aus Ranischau und Poremba in dem geschmückten Schulzimmer eingefunden. Nach der Begrüßungsansprache des Lehrers und des allgemeinen Gesangs „Stimmt an mit hellem hohen Klang”, betrat die Sängerriege das Podium und brachte einige Lieder, die wohl gelungen waren, zum Vortrag. Auch konnten diesmal zwei Theaterstücke aufgeführt werden, nämlich „Der Vetter aus Bremen” und „Die urgemütliche Gerichtssitzung”. Beide Stücke wurden mit großem Beifall aufgenommen. Nach Abwicklung der Festordnung fand ein Tanzkränzchen statt, das sowohl „Jung” als „Alt” noch lange in fröhlicher Stimmung zusammenhielt. Wohlbefriedigt und mit dem Wunsch, bald wieder so einen Unterhaltungsabend zu veranstalten, schieden wir voneinander.
Ranischau 1913
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Dispute between Poles and Germans over school rights
Source: Deutsches Volksblatt für Galizien, 11.04.1913, p. 4.
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Seit einiger Zeit streben die Polen in unserer Gemeinde darnach, ein Recht auf unsere deutsch-evangelische Schule zu bekommen. Sie glauben ihr Recht dadurch geltend zu machen, dass vor ungefähr 20 Jahren einige Polen, von denen jetzt nur noch einer hier ist, Beiträge zur Schulerhaltung und dem Lehrergehalt geleistet haben und dem, dass sie beim Ankauf der Wirtschaften zugleich auch laut Kaufkontrakt das Recht zur Schule und Kirche erworben haben. Aus diesem Anlass fand auf Anordnung des Herrn Schulinspektor eine Gemeinderatssitzung statt, in welcher zwei Delegierte gewählt wurden, die die Sache am 1. April beim Bezirksschulinspektor zu vertreten hatten. Hier wurde den zwei Delegierten seitens des Inspektors mitgeteilt, dass für die Polen in Ranischau unbedingt eine Schule geschaffen werden müsse. Entweder sie bekommen das Recht zu unserer Schule und schicken ihre Kinder dahin, welche aber von einem polnischen Lehrer unterrichtet werden müssten, oder falls sie das Recht nicht erhälten, müsse in Ranischau eine polnische Schule gebaut werden, zu deren Erhaltung auch die Deutschen Beiträge leisten müssten.
Ranischau 1913
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Visit of a hiking group
Source: Deutsches Volksblatt für Galizien, 29.08.1913, p. 3.
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Fußwanderer.
Unsere Gemeinde wurde am Dienstag, den 19. dieses Monats abends, von den Fußwanderern besucht. Sie wurden in das Schulhaus geführt, wo sie übernachteten. Eine Versammlung konnten sie leider nicht abhalten, weil die Leute durch dringende Feldarbeit abgehalten waren. Sie besichtigten aber unsere Kirche, die, nebst dem Pfarrhaus, verlassen ist und wo sie die lebenden Wahrzeichen einstigen blühenden deutschen Lebens sehen konnten. Von Ranischau zogen sie weiter nach Wildenthal. Unterwegs kehrten sie noch in Poreby bei Herrn Sebastian Kleiss ein, der sie sehr gastfreundlich aufnahm und über Kleinarbeit des Volksblattes in Dörfern aufklärte.
Ranischau 1915
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Travel report by the general secretary of the evangelical society pastor Monsky
Source: Ostdeutsche Rundschau, 19.08.1913, p. 3.
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Reisebericht vom Generalsekretär der evangelischen Gesellschaft in Österreich, Pfarrer Monsky aus Wien.
In Ranischau hatte ein alter Grundwirt in richtiger Ausübung des allgemeinen Priestertums auch während der Russenzeit sonntägliche Gottesdienste ab gehalten. Er erzählte mir von aufregenden Erlebnissen mit den Tscherkessen, welche plündernd bei ihm eingebrochen waren.
Ranischau 1915
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Administrative changes
Source: Evangelisches Gemeindeblatt für Galizien und die Bukowina, 01.10.1915, p. 13.
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Am Sonntag den 19. September hat unser neuernannter Administrator Herr Pfarrer Czerwenzel aus Jaroslau zum ersten Mal Gottesdienst bei uns gehalten. Er spendete auch das heilige Abendmahl. Die provisorische Verwaltung unserer Lehrerstelle wurde Herrn Ludwig Spatta, einem Sohne unserer Gemeinde, übertragen. Herr Spatta hat drei Jahrgänge der Alt-Tschauer Anstalt absolviert. Der regelmäßige Unterricht hat am 9. September begonnen. Die Zahl der Evangelischen in Ranischau und Umgebung beträgt etwa 100. Von denen sind 11 im Feld, einige Jünglinge und Männer sehen ihrer Einberufung zum Militärdienst entgegen.
Ranischau 1915
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Pastoral vacany
Source: Evangelische Kirchen-Zeitung für Österreich, 15.10.1915 p. 12.
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Die evangelische Gemeinde Reichau ist infolge des Todes des Pfarrers Labsik verwaist. Auch Königsberg entbehrt seinen Seelsorger, ist doch Senior Royer von den abziehenden Russen mitgeschleppt worden. Die Pfarrerstelle in Ranischau ist seit längerer Zeit unbesetzt. Die Administration dieser drei Gemeinden hat Pfarrer Czerwenzel in Jaroslau übernommen.
Ranischau 1915
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Death of teacher Richard Kauder
Source: Evangelisches Gemeindeblatt für Galizien und die Bukowina, 15.11.1915, p. 11-12.
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Lehrer Kauder gefallen.
Als dritter der im Felde stehenden evangelischen Lehrer Galiziens ist Richard Kauder aus Ranischau den Heldentod fürs Vaterland gestorben. Wir entnehmen hierüber dem Evangelischen Schulboten folgendes:
“Die Trauernachricht erhielten wir von Herrn Pfarrer Schick in Vöcklabruck, die dann durch ein Schreiben des Herrn Superintendenten Fritsche in Biala ergänzt wurde. Richard Kauder wurde am 19. April 1891 in Bielitz geboren. In seiner Heimatstadt besuchte er die Volks- und Bürgerschule und dann die Lehrerbildungsanstalt. Am 10. Juli 1911 legte er seine Reifeprüfung ab. Sein warmes Herz für die Jugend trieb ihn, zunächst eine Stelle im Kinderheim des Herrn Pfarrer Schick, der damals noch in Heidenreichstein in Niederösterreich war, anzunehmen. Mit welch treuer Liebe er für die armen Waisen sorgte, konnten die Teilnehmer an der in Heidenreichstein stattfindenden Hauptversammlung des niederösterreichischen Zweigvereines der Gustav- Adolf-Stiftung erfahren. Nach einjährigem segensreichen Wirken verließ Kauder Heidenreichstein und wurde Lehrer an der evangelischen Schule in Ranischau (Galizien). Zum Heeresdienst einberufen, besuchte er die Offiziersschule und kam dann als Kadett zum Ersatzbataillon des k. k. Landwehr-Infanterie-Regimentes Teschen Nr. 3l. Als solcher machte er den geschichtlich denkwürdigen Angriff auf die Dunajecfront bei Gorlice mit. Am 3. Mai. um 3 Uhr morgens, traf ihn im heldenmütigen Vorstürmen ein Dumdumgeschoss in die Backe. Die schwere Verletzung führte seinen sofortigen Tod herbei: Den herrlichen Sieg, den er mit erstritten, er durfte ihn nicht mehr erleben. Ehre dem Gedächtnisse des gefallenen Helden!”
Ranischau 1915
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Ludwig Spatta as new interim teacher
Source: Evangelisches Gemeindeblatt für Galizien und die Bukowina, 15.11.1915, p. 12.
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Schule.
Der regelmäßige Unterricht wurde am 9. September aufgenommen. Die vorläufige Verwaltung der Lehrerstelle hat Herr Ludwig Spatta, ein Sohn der Gemeinde, übernommen, der drei Jahrgänge der Alt-Tschauer Anstalt besucht hat.
Ranischau 1915
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War captivity of teacher Johann Sommer
Source: Evangelisches Gemeindeblatt für Galizien und die Bukowina, 01.12.1915, p. 17.
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Nachrichten über Lehrer J. Sommer.
Frau Lehrer Sommer erhielt durch Vermittlung des schwedischen Roten Kreuzes (Svenska Röda Korsets Hjälpkomitte for Krigsfange, Stockholm Linnegaten 77) eine Zuschrift in englischer Sprache folgenden Inhalts: Amerikanische Botschaft. Petrograd, Sergieffskaja Nr. 10 16/29 Oktober 1915. Geehrte Frau! Auf Ihre Anfrage nach Herrn Sommer, welcher als Kriegsgefangener in Irbit Gouvernement Perm interniert ist, beehren wir uns Ihnen mitzuteilen, dass es ihm ganz gut geht und dass er Sie bittet, ihm durch das russische Rote Kreuz zu schreiben…” Bekanntlich wurde Lehrer Johann Sommer im Mai diesen Jahres aus Reichau weggeführt, weil er einen aus russischer Gefangenschaft entflohenen leidenden reichsdeutschen Soldaten durch Monate bei sich beherbergte und verpflegte. Seitdem fehlte jede Nachricht von ihm.
Ranischau 1915
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Kirchweih festivities during war times
Source: Evangelisches Gemeindeblatt für Galizien und die Bukowina, 01.12.1915, p. 17.
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Kirchweihfest.
Der für Samstag Abend geplante Familienabend konnte leider nicht mehr stattfinden. Denn bis der Herr Administrator, der mit dem Zug verspätet in Rzeszow eintraf, die 28 km weite Wagenfahrt zurückgelegt hatte, und zu uns kam, schliefen die meisten Leute bereits. So bestand unsere Kirchweihfeier nur in dem Gottesdienst, der am Sonntag den 24.10. früh in der Kirche stattfand. So schwer uns auch der Gedanke an unsere Lieben, die fern im Felde stehen, war, so freuten wir uns doch, das Kirchweihfest 1915 von den Russen befreit und in unserem Gotteshaus feiern zu können. Gerade auf den Tag vor einem Jahr hatten die Russen in unserem Dorf ihren Einzug gehalten. Bei der Erinnerung daran verstummten alle Klagen und es war der aufrichtige Ausdruck unserer Gefühle, wenn wir Loblieder sangen.
Ranischau 1915
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Conscription of teacher Ludwig Spatta
Source: Evangelisches Gemeindeblatt für Galizien und die Bukowina, 01.12.1915, p. 17.
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Unser Lehrer Ludwig Spatta, der mit solchem Eifer am 9. September den Unterricht unserer Kinder aufnahm, musste am 15. Oktober zum Militärdienst einrücken. Er befindet sich z.Z. zur Ausbildung in Krakau. Da unsere Kinder wieder ohne Unterricht sind, haben wir bei der k. k. Bezirkshauptmannschaft in Kolbuszowa ein Gesuch um Befreiung des Lehres Spatta vom Militärdienst überreicht
Ranischau 1916
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Christmas service
Source: Evangelisches Gemeindeblatt für Galizien und die Bukowina, 15.01.1916, p. 12.
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Trotzdem unsere Pfarrstelle seit Jahren verwaist ist und unser Herr Pfarradministrator aus Jaroslau durch den Dienst in seinen Gemeinden gebunden war, konnten wir doch Weihnachten einen Gottesdienst haben. Herr Pastor Clausen aus Przemysl hielt uns am ersten Festtag eine Weihnachtspredigt. Die im Gottesdienst eingesammelte Kollekte von 9 Kronen 18 Heller. war für das evangelische Kinderheim in Stanislau bestimmt.
Ranischau 1916
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Death of Andreas Fuhrmann
Source: Evangelisches Gemeindeblatt für Galizien und die Bukowina, 15.02.1916, p. 16.
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In unserer kleinen Gemeinde hat binnen acht Tagen dreimal die Totenglocke geläutet. Am schmerzlichsten ist uns der Verlust des erst 43-jährigen Presbyters Andreas Fuhrmann. Durch Bienenfleiß hat er sich emporgearbeitet. Tag und Nacht arbeitete er in seiner Werkstätte als Uhrmacher oder auf dem “mit seinen zehn Fingern” erworbenen Feld. Ein Lungenleiden entriss ihn frühzeitig seiner Gattin und seinen sechs Kindern. Welcher Wertschätzung sich der Verstorbene auch bei den Polen erfreute, bewies ihre überaus zahlreiche Beteiligung an dem Leichenbegräbnis. Unsere Kirche war von ihnen ganz gefüllt. Mit Spannung folgten sie der polnischen Ansprache unseres Pfarradministrators aus Jaroslau, die er am Grab hielt.
Von unseren Presbytern ist nun einer im Grab, einer im Feld, einer liegt schwer krank darnieder und der Kurator, der zugleich Gemeindevorsteher ist, steht vor der Möglichkeit der Einberufung. Dazu hat die Gemeinde weder Pfarrer noch Lehrer. Diasporanot mit Kriegsnot im Bunde!
Ranischau 1916
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Death of Jakob Schmidt
Source: Evangelisches Gemeindeblatt für Galizien und die Bukowina, 15.05.1916, p. 14-15.
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Todesfall.
Am 30. April ist in unserer Gemeinde Herr Jakob Schmidt im Alter von 74 Jahren gestorben. Ein gebürtiger Steinauer und langjähriger Gemeindevorsteher dieser Gemeinde, musste er im Herbst des vergangenen Jahres eine Wohnhütte in unserer Gemeinde suchen, da ihm in Steinau das Dach über dem Haupt abgebrannt war. Während der Russenzeit hat er viel auszustehen gehabt. Die Nachricht, dass im leerstehenden Pfarrhaus, in dem ihm seinerzeit Aufnahme gewährt wurde, Russen wenn auch gefangene, einquartiert werden sollten, brach dem sonst noch ganz frischen Mann das Herz. Am 2. Mai geleiteten wir den teuren Alten zu Grabe. Von seinen Kindern konnte nur eine Tochter anwesend sein. Drei Söhne sind in Amerika, zwei weitere verheiratete Töchter konnten wegen der Verkehrsschwierigkeiten nicht erscheinen. Die Ansprachen in der Kirche und am Grabe hielt in deutscher Sprache und mit Rücksicht auf die vielen polnischen Anwesenden auch in polnischer Herr Pfarrer Czerwenzel.
Ranischau 1916
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School reopening
Source: Evangelisches Gemeindeblatt für Galizien und die Bukowina, 15.07.1916, p. 7.
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Seit 31. Mai des Jahres können unsere Kinder wieder die Schule besuchen, die, wegen Einberufung des Lehrers Ludwig Spatta zum Militärdienst, seit dem 15. Oktober vorigen Jahres leider geschlossen sein musste. Die Eröffnung konnte erfolgen dank dem Entgegenkommen des Stanislauer Diakonissenhauses, das uns die aus Weinbergen stammende Schulschwester Karoline Ettinger überlassen hat. Am Sonntag, den 25. Juni, erfolgte eine Visitation unserer Schule durch den Herrn Pfarradministrator Czerwenzel aus Jaroslau. Er freute sich der durch die Schulschwester in der kurzen Zeit erzielten Erfolge. Ein besonderes Verdienst hat Schwester Karoline Ettinger sich auch durch die Sammlung der konfirmierten weiblichen Jugend erworben. In dem Abendgottesdienst erklang nach vielmonatlicher Unterbrechung, zur großen Freude der Gemeinde, wieder die Orgel, welche die aus Jaroslau mitgekommene Pfarrersgattin spielte. Im Laufe des Tages konnten 3 Kinder getauft werden – wahrlich ein Ereignis in unserer kleinen Gemeinde!
Ranischau 1917
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Family evening
Source: Evangelisches Gemeindeblatt für Galizien und die Bukowina, 01.05.1917, p. 10.
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Familienabend.
Der freudigen Arbeit unserer Schulschwester Karoline Ettinger hatten wir den schönen Abend am 9. dieses Monats zu danken. Die hübschen Deklamationen der kleinen Kinder und die wirklich gelungenen Aufführungen einiger patriotischer Szenen durch die weibliche Jugend des Dorfes fanden den ungeteilten Beifall der Anwesenden. Sehr verdient für das Zustandekommen des Abends machte sich Frau Else Kopp, der auch an dieser Stelle aufs Herzlichste gedankt wird. Das Reinerträgnis von 39 Kronen wurde für das evangelische Kinderheim in Gallneukirchen bestimmt.
Ranischau 1917
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Election of pastor Johann Harlfinger
Source: Deutsches Volksblatt für Galizien, 09.08.1917, p. 5.
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Pfarrerwahl.
Herr Vikar Johann Harlfinger aus Dornfeld, der seit dem Tod des verdienten, uns allen unvergesslich bleibenden Pfarrers Heinrich Czerwenzel die Pfarrstelle in Jaroslau verwaltete, ist zum Pfarrer in der hiesigen, evangelischen Pfarrgemeinde gewählt worden. Wir freuen uns, in Herrn Pfarrer Harlfinger einen Geistlichen begrüßen zu dürfen, der aus einer deutsch-evangelischen Gemeinde stammend, unserer deutschen Sache und damit auch der Arbeit unseres Bundes nahesteht. In Jaroslau selbst werden wir schon in nächster Zeit als neugewählten Pfarrherrn einen geborenen Deutschgalizier begrüßen dürfen.
Ranischau 1917
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Election of pastor Johann Harlfinger
Source: Evangelisches Gemeindeblatt für Galizien und die Bukowina, 01.09.1917, p. 18.
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Pfarrerwahl.
Am 29. Juli dieses Jahres fand in unserer Gemeinde Pfarrerwahl statt, bei der Herr candidatus theologiae Johann Harlfinger, gegenwärtig Hilfsprediger in Jaroslau, einstimmig gewählt wurde. Wir freuen uns nach fünfjähriger Verwaisung wieder einen Seelsorger zu bekommen und hoffen, dass unserer Gemeinde unter ihm wieder eine Entwicklung nach aufwärts beschieden sein wird. Unser neugewählter Pfarrer gedenkt bereits in den nächsten Tagen zu uns zu übersiedeln.
Ranischau 1917
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Welcome reception for pastor Johann Harlfinger
Source: Evangelisches Gemeindeblatt für Galizien und die Bukowina, 01.09.1917, p. 18.
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Einführung des neuen Pfarrers.
Nach fünfjähriger Pfarrvakanz durfte die hiesige Gemeinde am 14. August wieder ihren eigenen Pfarrer begrüßen. Darum zogen an diesem Tage auch Jung und Alt hinaus auf die Landstraße, dem am 29. Juli dieses Jahres zum Pfarrer gewählten Kandidaten der Theologie Johann Harlfinger aus Dornfeld entgegen, und geleiteten ihn bis zum Pfarrhof, wo aus Bäumchen, Blumen und Zweigen ein Bogen errichtet war und vor welchem ein Presbyter im Namen der Gemeinde die Begrüßungsworte sprach, die Herr Pfarrer Harlfinger auf das Herzlichste erwiderte. Es schien neues Leben in das Gemeindelein eingezogen zu sein. Ein Mann aus der Gemeinde sagte sogar: „Wenn nach einem langen Winter wieder die Frühlingssonne scheint, freut sich auch Alles! So geht’s auch uns”. Wollte Gott, dass die Freude eine dauernde bliebe, und dass die Arbeit des neuen Pfarrers in der Gemeinde von reichem Segen begleitet sein möge.
Ranischau 1918
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Christmas plays
Source: Evangelisches Gemeindeblatt für Galizien und die Bukowina, 15.01.1918, p. 12.
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Weihnachtsaufführung.
Nach langer Zeit war es der Gemeinde wieder einmal vergönnt, gemeinsam das Weihnachtsfest zu feiern. Am Nachmittag des ersten Weihnachtstags versammelte sie sich im Schulhaus, wo die Jungfrauen sich viel Mühe gaben, den Zuhörern rechte Weihnachtsfreude zu bereiten. Es folgten zunächst abwechselnd Weihnachtsgedichte und Weihnachtslieder und hierauf die Aufführung des Theaterstücks „Das Licht geh’ herein”. Dieses Stückchen war so recht geeignet, uns daran zu erinnern, dass wir noch im großen Reformationsjahr lebten, dass sein Licht bis in die Klosterzellen dringen ließ. O, möchte dieses Licht auch uns leuchten und alle zu freudiger Arbeit in der Gemeinde zur Ehre Gottes ermuntern. (Das Reinerträgnis im Betrag von 21 Kronen 20 Heller wurde ans evangelische Kinderheim abgeführt.)
Ranischau 1918
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Inauguration of pastor Johann Harlfinger
Source: Evangelisches Gemeindeblatt für Galizien und die Bukowina, 15.01.1918, p. 12.
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Amtseinführung.
Der 16. Dezember vorigen Jahres war für die Ranischauer Pfarrgemeinde ein Festtag. An diesem Tag wurde der im Juli gewählte Johann Harlfinqer zum Pfarrer ordiniert und zugleich ins hiesige Pfarramt feierlich eingeführt. Zu dieser Feier war Herr Senior Böhringer aus Stadlo erschienen. Nachdem er in ernsten Worten über die Bedeutung des Pfarramtes gesprochen, die Pflichten des Pfarrers und der Gemeinde dargelegt, zu gegenseitigem Verstehen und treuer Arbeit im Dienst des Herrn aufgefordert, nahm er die Weihe vor und führte den Pfarrer in sein Amt ein, indem er ihm die Bestätigungsurkunde überreichte. Hierauf predigte Pfarrer Johann Harlfinger über 1. Joh. 5, 4b: „Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat.” Ein gemütliches Beisammensein am Nachmittag im Pfarrhaus schloss die bescheidene, aber würdig verlaufene Feier.
Ranischau 1918
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Inauguration of pastor Johann Harlfinger
Source: Evangelische Kirchen-Zeitung für Österreich, 01.03.1918 p. 9.
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Amtseinführung.
Am 16. Dezember vorigen Jahres wurde der im Juli gewählte Pfarrer Johann Harlfinger ordiniert und zugleich ins hiesige Pfarramt feierlich eingeführt. Zu dieser Feier war Senior Böhringer aus Stadlo erschienen. Nachdem er in ernsten Worten über die Bedeutung des Pfarramtes gesprochen, die Pflichten des Pfarrers und der Gemeinde dargelegt, zu gegenseitigem Verstehen und treuer Arbeit im Dienste des Herrn aufgefordert, nahm er die Weihe vor und führte den Pfarrer in sein Amt ein, indem er ihm die Bestätigungsurkunde überreichte. Hierauf predigte Pfarrer Johann Harlfinger über 1. Joh. 5, 4b: „Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat.” Ein gemütliches Beisammensein am Nachmittag im Pfarrhaus schloß die bescheidene, aber würdig verlaufene Feier.
Ranischau 1918
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End of school year
Source: Evangelisches Gemeindeblatt für Galizien und die Bukowina, 01.08.1918, p. 9.
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Schulschluss.
Am 27. Juni fand in unserer Gemeinde die diesjährige Schulprüfung statt, die bei allen Kindern, die den Unterricht regelmäßig besucht hatten, sehr befriedigend verlief. Am 30. Juni wurde der Schule im Gottesdienst gedacht und nachmittags fand eine sorgfältig vorbereitete Schüleraufführung statt, deren Reinertrag zur Hälfte der Bücherei des hiesigen Jungfrauenvereins und dem evangelischen Kinderheim in Stanislau überwiesen werden konnte.