Hohenbach Newspaper Articles 1783-1899

Hohenbach 1876

Church inauguration and promotion of pastor Zipser

Source: Der österreichische Protestant, 25.11.1876, p. 227.
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Hohenbach, 24. Oktober.

Kirchenweihe und Installation.

Vorgestern Sonntag wurde unsere neuerbaute Kirche eingeweiht und unser Pfarrer Karl Johann Zipser als westgalizischer Senior in sein Amt eingeführt. Die schöne Doppelfeier, zu der viele Gäste aus Nah und Fern herbeigeeilt waren, verlief in wahrhaft erhebender Weise.

Hohenbach 1887

Fire disaster

Source: Evangelische Kirchen-Zeitung für Österreich, 15.08.1887, p. 9-10.
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Brandunglück.

Unsere Gemeinde wurde am 1. August von einem schweren Unglück heimgesucht. In der Mittagsstunde genannten Tages brach in einem Hause Feuer aus, dass wegen der gedrängten, feuergefährlichen Bauart des Ortes, wegen der lange andauernden Trockenheit und wegen Mangel an entsprechenden Löschwerkzeugen rasend schnell um sich griff. In wenigen Minuten standen 8 Häuser, 9 Stallungen und 12 Scheunen, in denen der ganze geerntete Roggen und ein großer Teil der Gerste sich befand, wie auch die 3 Scheunen der nahegelegenen katholischen Pfarre in hellen Flammen. Ganz Hohenbach war mit Verderben und Untergang bedroht. Doch gelang es den außerordentlichen übermenschlichen Anstrengungen, der Weiterverbreitung des Feuers Einhalt zu tun.

Gleichwohl ist das über unsere Gemeinde hereingebrochene Unglück ein schweres, das Elend der Betroffenen groß und bitter. 14 Familien mit 84 Personen sind zumeist obdachlos geworden, haben auch für ihr, leider nicht durchwegs gerettetes Nutzvieh den Unterstand und den unentbehrlichsten Heuvorrat eingebüßt; sie Alle stehen, aller Mittel bar, jammernd an den öden, leergebrannten Stätten. Die Armen sind umso schwerer getroffen und umso tiefer zu beklagen, da nicht einmal alle Gebäude und diese wegen der großen Armut ihrer Bewohner viel, viel zu gering, die eingeheimsten Feldfrüchte aber und Heu, Haus- und Ackergeräte, Kleider, Wäsche und dergleichen durchwegs noch gar nicht versichert waren.

Nach einer langen Reihe von Missjahren (1883 verheerender Hagelschlag, 1884 furchtbare Überschwemmung) schien das heurige Jahr mit seinen erfreulichen Ernteaussichten ein Jahr der ersehnten Erholung werden und in der entsetzlich überhandgenommenen Verarmung und Verschuldung den so nötigen Stillstand bringen zu wollen. Da aber hat es Gott gefallen, diese neue bitterschwere Prüfung uns aufzuerlegen. Wir wollen dieselbe demütig hinnehmen, sind jedoch außer Stande, den erlittenen Schaden aus eigenen Kräften einigermaßen wiedergutzumachen und sind deshalb auf gütige Unterstützung Anderer angewiesen. Von denjenigen unserer Gemeindegenossen, welche Gott diesmal gnädig behütet hat, können wir nur sehr wenig Hilfe erwarten, da diese selbst infolge langjährigen Misswachses an bitterem Mangel leiden; auch haben wir als Deutsche und Evangelische auf eine Unterstützung seitens der polnischen, fanatisch katholischen Umgebung nicht zu rechnen. Wir sind darum genötigt, auswärtige Glaubensbrüder, welche zu helfen gern bereit sind, wo Hilfe so dringend wie hier nottut, um milde Gaben anzuflehen, und wir leben in der Hoffnung, dass sich viele treue Herzen finden werden, welche sich unseres Jammers gern erbarmen und in evangelischer Bruderliebe ihr Scherflein spenden werden.

Hohenbach 1893

25th anniversary of pastor Zipser

Source: Evangelische Kirchen-Zeitung für Österreich, 01.11.1893, p. 10-11.
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Jubiläum.

Als unser Senior Karl Johann Zipser am 11. Oktober 1868 in das Amt des Seelsorgers in dieser mit der Filiale Reichsheim und der über 70 Quadratmeilen ausgedehnten Diaspora heute nur wenig über 1000 Seelen zählenden Gemeinde eingeführt wurde, dachte er wohl nicht, dass sein Verbleiben hier von längerer Dauer sein werde. Weit entfernt von den Glaubens- und Stammesgenossen fehlten dieser, wie den anderen drei zur hiesigen Pfarre gehörenden Gemeinden die notwendigen kirchlichen Gebäude entweder ganz, oder die vorhandenen waren in einem ganz erbärmlichen Zustande; ja, es fehlte nach allen Seiten selbst an dem Notwendigsten. Wenn aber heute Hohenbach eine schöne, weithin sichtbare Kirche mit Turm, ein Pfarrhaus, ein allen Anforderungen der Gegenwart entsprechendes Schulgebäude, ein neues, hübsches Schulhaus auch Reichsheim und Padew besitzt, wenn ferner das von unseren kleinen, armen Gemeinden ihren Lehrern gebotene kärgliche Gehalt durch Gründung von Lehrerdotationsfonds wesentlich erhöht und für manche andere Bedürfnisse der Gemeinden gesorgt worden ist, so haben wir dies nächst Gott und den liebreichen Werkzeugen seiner Gnade unserem geliebten Seelsorger zu verdanken, der mit Hintansetzung aller persönlichen Vorteile seinem erwählten, schwierigen Posten treu geblieben und seine ganze Kraft dem Wohle dieser Gemeinden gewidmet hat, zu schweigen von seinen Verdiensten um die übrigen Gemeinden dieses Seniorats. Kein Wunder deshalb, wenn die 25. Wiederkehr jenes 11. Oktober von unseren Gemeinden mit Freuden begrüßt und festlich begangen worden ist.

Die Feier des Jubiläums fand zugleich mit dem sogenannten Kirchweihfeste, welches alljährlich am 3. Sonntage im Oktober zur Erinnerung an die Einweihung des Gotteshauses festlich begangen wird, am 20. Sonntage nach Trinitatis statt. Das Presbyterium und der Gemeinderat von Hohenbach, der Muttergemeinde, sowie die trotz strömenden Regens mit den Lehrern herbeigeeilten Vertreter der anderen circa 20 Kilometer entfernten Gemeinden begaben sich kurz vor Beginn des Gottesdienstes in das Pfarrhaus, um dem allverehrten und hochgeschätzten Seelsorger zu diesem Freudentage die wärmsten Glückwünsche und den herzinnigsten Dank auszudrücken für die vielen und großen Verdienste desselben um unsere Gemeinden. Gerührt dankte der Jubilar für diese freundlichen Kundgebungen und für die verschiedenen schönen Geschenke, die ihm bei dieser Gelegenheit als sichtbare Zeichen dankbarer Anerkennung und Liebe von den Gemeinden und Einzelnen gespendet worden waren.

Als dann die Festglocke ertönte, da kam herbei, was gehen konnte, und bis auf den letzten Platz war die mit Girlanden, Kränzen und dergleichen geschmückte Kirche gefüllt. In gehobener Stimmung sang die Versammlung: “Sei Lob und Ehr’ dem höchsten Gut!” worauf der Jubilar nach der Altarliturgie das Schriftwort Phil. 1,3-11 verlas. Nach dem Gemeindegesange: “Bringt her dem Herren Lob und Ehr’!” bestieg der Jubilar die Kanzel und predigte über Psalm 106; er entrollte vor der wie immer mit gespanntester Aufmerksamkeit lauschenden Versammlung im Rückblicke auf die Vergangenheit in kurzen, kräftigen Zügen ein lebendiges Bild, wie des Herrn Freundlichkeit über der Gemeinde und über des Seelsorgers Leben und Wirken bisher so gnädig gewährt und beide deshalb dafür dem ewigen Gotte aus tiefster Seele zu danken alle Ursache haben; wie ferner die Gemeinde und ihr Seelsorger der Treue und Güte des großen Gottes auch in Zukunft für sich und alles, was uns lieb und teuer ist, gar sehr bedürfen, hierum deshalb den Herrn bitten sollen und seiner ewig währenden Güte getrost vertrauen dürfen. Nach der Predigt, die alle Zuhörer tief ergriffen und oft bewegt hat, sangen die Schulkinder, die Gemeinde erhebend, das Lied: “Lasst Jehovah hoch erheben!”, worauf mit Altargebet, Segen und Absingen des Liedes: “Nun danket alle Gott!” der Gottesdienst beschlossen wurde. Aus vieler Munde war nun zu hören: “So viele schöne Gottesdienste wir schon mit unserem lieben Herrn Senior gefeiert haben, der heutige war von allen der schönste.”

Der Nachmittag vereinigte sämtliche persönlich erschienen Gratulanten, auch andersgläubige aus der Umgebung, im Pfarrhause bei einem einfachen, frohen Festmahle, welches durch mehrere Toaste gewürzt wurde.

Wiewohl der Jubilar in Bescheidenheit den seine 25-jährige seelsorgerische Tätigkeit beschließenden Tag geheim gehalten, so waren doch eine nicht unbedeutende Anzahl von Beglückwünschungen auf brieflichem und telegraphischem Wege eingelaufen, auch von Gemeinden und einzelnen Gliedern des westgalizischen Senioratsbezirkes, deren wohlwollender, stets hilfsbereiter geistlicher Vorgesetzter der Jubilar seit 17 Jahren ist.

Wir lassen diesen Bericht ausklingen in dem herzlichen Wunsche: Möge es unserem allgeliebten Seelsorger vergönnt sein, wie bisher, so lange, lange noch wirken zu können zu Heil und Segen unserer, seiner bewährten Führung und treuen Fürsorge teilweise noch gar sehr bedürftigen Gemeinden!