Reichsheim Newspaper Articles 1783-1899

Reichsheim 1885

Financial issues

Source: Evangelische Kirchen-Zeitung für Österreich, 01.08.1885, p. 15.
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Die armen Schulkinder und ihre Wohltäter.

Infolge der Überschwemmung des vergangenen Jahres ist die Not in Galizien an manchen Orten eine wahrhaft herzzerreißende. So z.B. in der evangelischen Gemeinde Reichsheim. Grundwirte, die sonst, wenn auch nicht im Überfluss, so doch ohne Not mit den Ihrigen lebten, sehen sich jetzt bitterem Mangel ausgesetzt – um wieviel schlimmer aber steht es mit den armen Häuslern und Einwohnern. Zu verdienen gibt es heuer nichts, weil die rundwirte sich ohne Taglöhner behelfen müssen, wie sie können. Fabriken, Eisenwerke und dergleichen sind hier nicht vorhanden, wo sich die Armen etwas erwerben könnten

So stieg denn, besonders seit Neujahr, die Not immer höher, und machte sich sogar in der Schule geltend.

Die Kinder der Armen kamen meist mit

Reichsheim 1888

Financial issues

Source: Evangelische Kirchen-Zeitung für Österreich, 01.09.1888, p. 13-14.
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Gemeindeverhältnisse.

Mit Erlass vom 3. Juni diesen Jahres Z. 8814 hat das hohe k. k. Ministerium für Kultus und Unterreicht der evangelischen Filial- und Schulgemeinde Reichsheim in Galizien die Bewilligung zur Einleitung einer allgemeinen Kirchenkollekte erteilt und ist die Veranstaltung der letzteren vom hohen k. k. evangelischen Oberkirchenrat Augsburgischer und Helvetischer Konfession mit Erlass vom 17. Juli diesen Jahres Z. 1184 in allen Gemeinden seines Sprengels ausgeschrieben worden. Um für diese kleine arme Gemeinde möglichst rege Teilnahme zu erwecken, erlaubt sich das Presbyterium derselben über die Verhältnisse dieser Gemeinde folgende nähere Mitteilungen zu machen und alle hochwürdigen evangelischen Pfarrämter in der diesseitigen Reichshälfte innigst zu bitten: bei der Verkündung der ausgeschriebenen Kollekte die bedrängte Lage dieser kleinen, armen, vielbedürftigen Gemeinde besonders hervorheben und dieselbe den teuren Glaubensgenossen zur liebevollen, möglichst nachdrücklichen Unterstützung wärmstens empfehlen zu wollen.

Die Gemeinde Reichsheim, welche durch volle 83 Jahre Muttergemeinde gewesen und seit 21 Jahren Filiale von Hohenbach ist, hat mit der Übertragung des Pfarrsitzes in den Schwerpunkt der Pfarrgemeinde unersetzlich viel verloren. Da sie von Hohenbach 19 Kilometer entfernt und durch den hier brückenlosen, oft unpassierbaren Wisloka-Fluss getrennt ist, der Seelsorger zum Gottesdienst in die Filiale alle 2-3 Wochen höchstens einmal zu kommen vermag und deshalb die geistliche Versorgung dieser Gemeinde, welche als Filiale mit der Gemeinde Padew 500, als Schulgemeinde aber über 200 Seelen zählt, eine ganz unzureichende ist, bedarf diese Gemeinde seitdem um so dringender einer ordentlichen, tüchtig geleiteten Schule.

Durch Gottes und treuer Brüder Hilfe ist für die Sicherung und Hebung unseres Schulwesens durch Erhöhung der Lehrerdotation, welche bis dahin alles in allem nur 140 Gulden betragen hatte, manches geschehen, und wäre, damit wir auf die dauernde Besetzung unserer Schulstelle durch eine entsprechende Lehrkraft mit einiger Zuversicht zu rechnen vermöchten, die weitere Vermehrung des Lehrerdotationsfonds noch recht erwünscht.

Dagegen ist es die Sorge um das endliche Zustandekommen des Schulhausneubaus, welche unsere Herzen schwer bedrückt, da unser altes, hölzernes Schulhaus vollständig morsch, baufällig, auch räumlich nicht entsprechend ist, und die behördliche Schließung deshalb bisher nur mit Mühe hat hinausgeschoben werden können.

In dieser Zwangslage hat unsere kleine, arme Gemeinde unter äußerster Anstrengung der eigenen schwachen Kräfte und mit Hilfe einiger Gaben glaubensbrüderlicher Liebe schon vor 2 Jahren das meiste Material zum Neubau beschafft, hierzu an Geld und Geldeswert in 2,5 Jahren durchschnittlich fast volle 200% der jährlichen direkten Staatssteuer beigetragen und sich der zuversichtlichen Hoffnung hingegeben, unter kräftiger glaubensbrüderlicher Handreichung den Bau nach Beistellung des Rohmaterials ohne Aufschub beginnen und in nicht langer Zeit glücklich vollführen zu können. In dieser ihrer Hoffnung hat die Gemeinde sich leider bedauerlich getäuscht.

So dringend der Schulbau ist, hat die Gemeinde denselben noch immer nicht beginnen können, ja geradezu nicht wagen dürfen, weil der Baufonds zur Kirchenreparatur und zum Schulhausbau zusammen gegenwärtig erst wenig über 300 Gulden, die bereits kontrahierte Schuld aber bereits volle 300 Gulden beträgt, während zur Durchführung des Schulhausbaus allein noch 3000 Gulden, zur entsprechenden Herstellung des Gotteshauses an 2200 Gulden erforderlich sind – eine Summe, welche unsere arme Gemeinde bei allem guten Willen selbst in vielen Jahren aufzubringen ganz außerstande ist.

Wie oben angedeutet, ist zwar die baldige glückliche Durchführung des Schulbaus gegenwärtig unsere größte, jedoch nicht die einzige Sorge, unter der wir seufzen. Dringend tut eine durchgreifende Reparatur unseres hölzernen Bethauses not, da die Fensterstöcke, Rahmen und ein großer Teil der Schindelbedachung vollständig morsch sind und erneuert werden müssen. Viel fehlt auch zu einer bescheidenen Ausschmückung unseres Gotteshauses, nämlich der Anstrich der rohen Holzdecke, ein entsprechende Altar, ein Altarbild, Kanzel und Altarbekleidung, ein größerer Abendmahlkrug, namentlich auch eine halbwegs brauchbare Orgel, da die alte trotz wiederholter Reparaturen häufig den Dienst versagt und die Andacht in übelster Weise stört. Höchst wünschenswert ist ferner die entsprechende Vermehrung des Pastorations- respektive Reisefonds, dessen Interessen kaum die Hälfte der Auslagen decken, welche dem ohnehin genug kärglich besoldeten Seelsorger durch die beschwerlichen Fahrten in die Filiale entstehen. Der Fonds beträgt erst 750 Gulden und bedarf, wenn er nur halbwegs seinem Zwecke entsprechen soll, der Verdopplung.

Endlich ist, da die Besorgung der beiden, durch den hier brückenlosen Wisloka-Fluss geteilten Gemeindehälften eine sehr schwierige und bei aller Gewissenhaftigkeit des Seelsorgers doch nur eine recht unzureichende ist, die Teilung der gegenwärtigen Pfarrgemeinde in zwei selbstständige Pfarrsysteme oder wenigstens die Errichtung eines Vikariats für die Gemeindehälfte jenseits der Wisloka eine überaus wichtige, große, nicht aus den Augen zu lassende Aufgabe, deren Dringlichkeit von unseren Kirchenbehörden wiederholt hervorgehoben wurde, deren Ausführung aber der Zukunft überlassen werden muss.

Was unsere Gemeinde zu tun vermochte , hat sie bisher gern getan. Wie schwer ihr dies geworden, erhellt deutlich daraus, dass unsere Gemeinde nur aus 29 kleinen, armen Kolonisten besteht, welche von den schmalen Erträgnissen ihrer höchstens 15 Joch großen Flugsandfelder für sich und ihre meist zahlreichen Familien kaum die allerdringendsten Lebensbedürfnisse zu bestreiten vermögen, zur Erhaltung des Kirchen- und Schulwesens jährlich regelmäßig 155% der direkten Staatssteuer beizutragen haben, durch zweimalige Überschwemmung in den Jahren 1884 und 1885, wie leider auch durch Hagelschläge in den Jahren 1885 und 1886 auf das härteste getroffen wurden. Not und bitterer Mangel an dem Notwenigsten ist infolge dieser vielfachen schweren Heimsuchungen eingekehrt in den meisten Häusern, und ist deshalb unsere Gemeinde zur Durchführung ihrer mannigfachen evangelischen Werke in den nächsten Jahren außer Hand- und Zugarbeit so viel wie nichts zu leisten imstande. Nur durch baldige, weit, weit ausgiebigere Unterstützung von auswärts kann unsere Gemeinde bewahrt werden vor der ihr drohenden schlimmsten Gefahr ohne Schule und brauchbaren Lehrer zu bleiben.

Angesichts unserer großen dringenden Aufgaben uns unserer eigenen Ohnmacht müssten wir fürwahr mutlos verzagen, wenn uns nicht aufrecht erhielte das gläubige Vertrauen auf den Herrn, de der Schwachen Trost, Schutz und Schirm ist und ja auch uns zuruft: Fürchte dich nicht, du kleine Herde! Darum hören wir nicht auf, zu dem großen, treuen Helfer in der Not zu beten und wenden uns im Namen unserer vielgeprüften Gemeinde, welche ja so bitter ringt mit des Lebens Not und doch so freudig alles tut zur Bewahrung ihres teuren Glaubens, vertrauensvoll an unsere lieben, glücklicheren Glaubensgenossen mit der flehentlichen Bitte um möglichst baldige, kräftige, ausgiebige Handreichung.

Das walte Gott!